14. März: Große Freiheit Nr. 7 – St. Pauli Theater – 19.30 Uhr

Große Freiheit Nr. 7 im St. Pauli Theater

„Auf der Reeperbahn nachts um halb ein“ und „La Paloma“ hat jeder schon einmal gehört. Auf Youtube klicken das Millionen an. Hans Albers machte diese Lieder im Film „Große Freiheit Nr. 7“ berühmt, als Seebär Kröger, der in eine tragische Liebesgeschichte verwickelt wird.

Das St. Pauli Theater bringt den Film am Spielbudenplatz auf die Bühne. Den seebären Kröger spielt hier Volker Lechtenbrink.

Der Film sollte eigentlich ein Loblied auf die Marine werden – wir reden über das Jahr 1943 -, aber Regisseur Helmut Käutner war ein Individualist und hat daraus einen Filmklassiker mit erfolgreichen Liedern über individuelle Schicksale gemacht. So funktioniert halt Popkultur. Das ist den Nazis auch aufgefallen, so dass sie den fertigen Film im Deutschland des Jahres 1944 lieber nicht zeigen wollten. Vorsichtig, wie sie waren, hatten sie schon die Ergänzung der Hausnummer zum ursprünglichen Filmtitel vorgenommen, so als gehe es um eine bloße Adresse. „La Paloma“, Hannes Krögers Freundin, benannt nach der Friedenstaube, Liedzeilen wie „Einmal muss es vorbei sein“, das war etwas Anderes als eine ablenkende Komödie oder Schmonzette. Es war auch nicht Käutners erster Film, den die Zensur lieber zurück hielt. Seinen Siegeszug in die Köpfe und Herzen trat der Film also erst ab 1945 an. Davon profitiert auch das Theaterstück.

Käutner war kein Nazi, aber auch kein Widerstandskämpfer. Der Hamburger Jung Hans Albers ebenfalls nicht. Er liebte eine jüdische Frau in seinem echtem Leben. Mit den Nazis gingen sie jedoch ins Bett: Albers war ein hochbezahlter Star, und blieb in Deutschland.

Manche lieben ja sogar St. Pauli mit seinem Lebensgefühl zwischen La Paloma, Mileu und Hamburger Berg. „Mehr Hamburg geht nicht.“ (Bild“). „Kiez-Kult-Stück“ (Mopo).

Von Hamburg war 1943 so wenig übrig, dass der Film in Prag gedreht wurde. Albers lebte sowieso lieber in Bayern, wo er auch starb. Zwei Jahre vor dem Dreh war den Nazis aufgefallen, dass das Ernst-Drucker-Theater nach einem Juden benannt war, so dass sie es in St. Pauli-Theater umbenannten. 2011 war das dann dem St. Pauli Theater aufgefallen. Leider war St. Pauli Theater jetzt eine Marke geworden. Seitdem der Untertitel am Theatergebäude: „Ehemals Ernst Drucker Theater“. Der Hamburger Berg heißt seit 1938 nicht mehr Heinestraße. Wäre der Berg nicht auch Kult, wäre er vielleicht schon umbenannt.

The Show Must Go on. Have a Look. Und danach bei Heine einen Mexikaner-Battle durch die Kiezkneipen. Den besten gibt allerdings in der Davidstraße in der Davidquelle. Der war zwar auch Jude, ist den Nazis aber nicht aufgefallen …

Ort: St. Pauli Theater
zeit: 19.30 Uhr
Eintritt: 24,90 € – 64,90 €

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