20. Februar: Raubkunst? Die Bronzen aus Benin – Museum für Kunst und Gewerbe – 10-18 Uhr

Raubkunst? Die Bronzen aus Benin:

Es ist natürlich peinlich, wenn man von einem Räuber gegründet worden ist. Der Unterschied zwischen einem Dieb und einem Räuber ist übrigens der, dass der Räuber Gewalt anwendet. Das für seine großartigen Ausstellungen berühmte Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat verdienstvoller Weise die Herkunftsgeschichte der drei Benin-Bronzen aus seiner Sammlung erforscht und die Rolle des Gründungsdirektors Justus Brinckmann in diesem Zusammenhang offengelegt. Die Ergebnisse präsentiert das MKG in dieser Ausstellung. Dass es sich bei den Bronzen um Raubkunst handelt, steht dem MKG zufolge außer Frage. Britische Truppen beschlagnahmten sie 1897 zusammen mit anderen Objekten im Königspalast von Benin und verbrachten sie nach Europa. Justus Brinckmann erkannte zwar nicht den Unterschied zwischen Gut und Böse, aber wenigstens die künstlerische Kraft und Präzision der Einzelstücke. Als erster deutscher Museumsdirektor erwarb er Bronzen und setzte durch Vorträge und Veröffentlichungen eine intensive Erforschung der Benin-Kunst in Gang. Das führte zu einer steigenden Nachfrage. Brinckmanns Begeisterung weckte sofort das Interesse anderer Museen und löste praktischer Weise einen regen, von Hamburg ausgehenden Handel aus. Mit den in Afrika verankerten Handelsfirmen, die offensichtlich auch kulturinteressiert waren,  saß Brinckmann an zentraler Stelle. Von den rund 50 Bronzen, die durch seine tüchtigen Hände gingen, verblieben nur drei im MKG. Ein großer Teil wurde in die Sammlung des Museums für Völkerkunde Hamburg abgegeben, anderes war zum Weiterverkauf bestimmt.

Königreich Benin

In der Kultur ihres Heimatlandes, dem vom 13. Jahrhundert bis 1897 existierenden Königreich Benin in Nigeria, werden die Bronzen nicht nur als Kunstwerke angesehen, sondern haben eine identitätsstiftende Bedeutung. Sie werden aus den wertvollsten Ressourcen des Landes wie Kupfer, Zink und Zinn hergestellt. Dieser Umstand verlangt nach einer – Rückgabe? Weit gefehlt: vielmehr nach nach einer angemessenen Würdigung. In Hamburg, nicht in Nigeria. Ihr müsst aber auch nach der Ausstellung nicht ins Polizeimuseum oder ins Zollmuseum fahren, sondern einfach zu Kunde No. 1: ins Museum für Völkerkunde. Dort sei das Umfeld angesichts des Ausstellungsumfeldes angemessener.

Schaut Euch die großartigen Werke an, bevor sie vielleicht Nigeria haben möchte. Die Benin-Bronzen haben schon die ersten Europäer fasziniert, die sie bewundern durften. In der ehemaligen Königsstadt Benin City (siehe Bild von 1668) soll ein von Europa finanziertes Museum mit großzügigen „Leihgaben“ entstehen.

Ort: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG)
Zeit: 10 bis 18 Uhr
Eintritt: unter 18 Jahren frei, 8/12 €

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